Besucherrekord auf „Treffpunkt Netze 2019“

Unter dem Motto „einfach machen“ wurden die energiepolitischen Prioritäten für den Netzausbau und die Digitalisierung deutlich adressiert.

Die Netzbetreiber machen das Energiesystem fit für 2030. Das zeigte der Fachkongress »Treffpunkt Netze’19« des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Ende März in Berlin. In über 40 Fachvorträgen und fünf Podiumsdiskussionen bekamen die rund 540 Teilnehmen einen umfassenden Überblick zu technischen und wirtschaftlichen Fragen sowie regulatorischen Aspekten.

Um eine sichere Kommunikation aufzubauen, hat die BDEW-Präsidentin die Politik angehalten, die Energiebranche bei der Vergabe von 450 MHz-Frequenzen zu berücksichtigen. Die Energiebranche brauche aufgrund der zunehmenden dezentralen Erzeuger, Speicher und Elektroautos eigene leistungsfähigere und sichere Kommunikationskanäle. Diese sollten vor allem zur Steuerung der Stromnetze, zur Anbindung von Smart-Meter-Gateways und zur Notfallkommunikation eingesetzt werden. Ideal sei dafür das 450 MHz-Band, das aktuell vergeben werde, um das die Energiebranche aber mit deutschen Sicherheitsbehörden konkurriere. Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen im Energiesektor müsse wie die Verfügbarkeit von Polizei, Feuerwehr und sonstigen Sicherheitsbehörden jederzeit – also auch im Schwarzfall – garantiert sein.

Große Baustelle bleibt die Zertifizierung der Smart Meter Gateways. Damit fehlt eine sichere Komponente für die intelligente Netzsteuerung, Elektromobilität und Smart Home Applikationen. Andrees Gentzsch, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, forderte daher das Wirtschaftsministerium auf, den Rollout der intelligenten Messsysteme zur Chefsache zu machen: „Um das nächste Level der Energiewende zu erreichen, brauchen wir dringend zertifizierte Smart Meter Gateways. Die Energieunternehmen stehen seit eineinhalb Jahren in den Startlöchern. Damit es hier endlich losgehen kann, sollte die Politik eine handlungsfähige Task Force einsetzen, realistische Zeitpläne abstecken und sich auf die drängendsten Herausforderungen fokussieren. “

Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nahm die Anliegen der Branche mit Verständnis entgegen und sicherte zu, sich dafür einzusetzen, den Netzausbau zu beschleunigen und die Integration der erneuerbaren Energien voranzubringen. Während die letzten Jahre durch den reinen Zubau von erneuerbaren Anlagen geprägt waren, werde nun deutlich, dass der Netzausbau die Grundlage eines weiteren Zubaus von Erzeugungsanlagen sei. Das 65-Prozent-Ziel lasse sich bis 2030 auch nach seiner Einschätzung ansonsten nur zu sehr hohen Kosten erreichen.

Auf eine Weiterentwicklung des Rechtrahmens in Bezug auf die Sektorkopplung hoffen die Unternehmen Amprion und OGE. Jörg Bergmann, OGE, und Hans-Jürgen Brick, Amprion, stellten das Projekt Hybridge vor, das die Strom- und Gasnetze verbinden soll. Bereits heute sei absehbar, dass bis 2030 eine erhebliche Leistung an Power-to-Gas-Anlagen (PtG-Anlagen) benötigt werde. Bisher komme das Verfahren aber nur in Modellprojekten zum Einsatz. Daher müsse die Branche jetzt beginnen, belastbare Zwischenziele zu erreichen und Erfahrungen mit größeren Anlagen von 100 MW zu machen.

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