Infotage zu den Technischen Anwendungsregeln »Mittel- und Hochspannung«

Umfassende Informationen zu komplexen Inhalten

Text: Günter Fenchel, Redaktionsbüro Fenchel

Die Stromversorgung wird aufgrund der Veränderungen durch die Energiewende komplexer. Besonders stark zeigt sich diese Veränderung bei der Anzahl an Kundenanlagen am Stromnetz. Durch die vielen Erneuerbare-Energie-Anlagen werden deutlich mehr Anlagen am Netz angeschlossen als früher. Viele dieser Anlagen werden im Unterschied zu großen, konventionellen Kraftwerken am Nieder- und Mittelspannungsnetz angeschlossen. Die steigende Anzahl der Anlagen und die neuen Herausforderungen für alle Netzebenen machen bundesweit einheitliche Anforderungen an Kundenanlagen für einen sicheren Netzbetrieb notwendig. Diese werden durch Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) in Form von Technischen Anschlussregeln (TAR) erarbeitet. Die TAR fassen die wesentlichen Gesichtspunkte zusammen, die beim Anschluss von Kundenanlagen an die öffentlichen Energieversorgungsnetze zu beachten sind. Darüber hinaus enthalten die TAR wichtige Informationen zum Betrieb solcher Anlagen.

Über die Technischen Anschlussregeln für Mittel- und Hochspannungsnetze informiert  das FNN am 2. und  3. April 2019 auf Infotagen in Leipzig. Hier erläutern Experten der jeweiligen Fachgebiete die teilweise komplexen Inhalte der VDE-Anwendungsregeln in insgesamt 13 Vorträgen.

TAR Mittelspannung ersetzt Technische Anschlussbedingungen

In Deutschland gewinnen die Mittelspannungsnetze im Zuge der Energiewende durch den Zubau erneuerbarer Energien massiv an Bedeutung. So werden hier neben großen Windparks, Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Biogasanlagen künftig auch immer mehr Speicher angeschlossen. Das Mittelspannungsnetz wird mit einer Netzfrequenz von 50 Hz und Netzspannungen zwischen 1 kV und 60 kV betrieben.

Die neuen Anwendungsregeln zur Mittel- und Hochspannung sind Teil der Aktivitäten von VDE|FNN, das System auf die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien im Sinne der Energiewende vorzubereiten.

Die TAR Mittelspannung (VDE-AR-N 4110) wird nach ihrem Inkrafttreten unter anderem die Richtlinien »Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz« sowie die »Technischen Anschlussbedingungen Mittelspannung« aus dem Jahr 2008 ersetzen.

Die TAR Mittelspannung gestalten erstmals die Anforderungen des im Jahr 2016 in Kraft getretenen Europäischen Network Codes »Requirements for Generators« für Deutschland aus. Vor diesem Hintergrund fordert die VDE-Anwendungsregel erweiterte Fähigkeiten für das Durchfahren von kurzen Spannungseinbrüchen sowie für die Bereitstellung von Blindleistung für neu errichtete dezentrale Erzeugungsanlagen. Diese neuen Anforderungen verbessern die Netzstabilität.

Weitere Neuerungen der TAR Mittelspannung beschreiben die Anforderungen an Mischanlagen, berücksichtigen aktualisierte Schutzkonzepte und geben erstmals Anforderungen an Notstromaggregate im Mittelspannungsnetz vor.

Neuerungen im Bereich Hochspannung

Große Stromverbraucher, wie zum beispielsweise die chemische Industrie und Stahlwerke, werden direkt an das 110-kV-Hochspannungsnetz angeschlossen. Das Gleiche gilt für große Erzeugungsanlagen, wie zum Beispiel große Wind- und Photovoltaikparks, Heizkraftwerke oder Pumpspeicher. Das in Deutschland für die Hochspannung seit Jahren umgesetzte Durchfahren von Fehlern ist eine wichtige Fähigkeit von Erzeugungsanlagen zu Stützung des Gesamtsystems. Die daraus bereits bestehenden Anforderungen wurden aufgrund der europäischen Vorgaben leicht modifiziert.

Schwerpunkte der Überarbeitung waren die Umsetzung des europäischen Network Codes »Requirements for Generators« (RfG) und der Abschnitt Nachweise. Die neue TAR Hochspannung (VDE-AR-N 4120) tritt ab 27. April 2019 in Kraft.

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