Laute Diskussion um das stille Örtchen

Haushaltstücher verstopfen die Kanalisation

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 81 Jahre. Davon verbringt jeder Bundesbürger im Durchschnitt ca. 230 Tage auf der Toilette. Grundsätzlich kein Problem – oder doch? Seit einiger Zeit ist eine laute Diskussion um das stille Örtchen entbrannt. Dabei geht es um die Entsorgung von feuchten Reinigungs-, Baby-, Brillen-, Erfrischungs- und Abschminktüchern über das Klo. Denn während sich Toilettenpapier schnell auflöst, dauert der Zersetzungsprozess bei Hygienetüchern lange. Diese Haushaltstücher mit ihren langen Kunststoff-Fasern verstopfen folglich immer stärker die Kanalisation und zerstören Pumpen im Abwassernetz. Überschwemmungen im heimischen Keller und erhebliche Zusatzkosten in der Abwasserentsorgung sind die Folge. In England geben Abwasserentsorger mehr als 110 Millionen Euro für die Beseitigung der Verstopfungen in den Kanalrohren aus. Die Briten versuchen mittels einer Informationskampagne in den sozialen Netzwerken die Verbraucher aufzuklären. Die eindeutige Botschaft: Das Klo ist keine Mülltonne! Die Stadtentwässerung Dresden geht ähnliche Wege und sensibilisiert die Einwohner der sächsischen Landeshauptstadt für die Folgen falscher Entsorgung über die Toilette. Die Hersteller und der Handel zeigen dagegen kein Engagement – zumindest bislang. Dafür kommt Hilfe aus Brüssel. Die EU will im Zuge des Verbotes für Einweg-Plastik auch den Kampf gegen Hygiene-Feuchttücher aufnehmen. Die Mitgliedsstaaten sollen verpflichtet werden, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Verbraucher über die richtige Entsorgung von Feuchttüchern zu informieren und richtiges Verhalten zu fördern.