Stadtwerke sind unzufrieden mit der Politik

Viele Stadtwerke sind zwar zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr, aber unzufrieden mit der deutschen Energiepolitik.

Viele Stadtwerke sind zwar zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr, aber unzufrieden mit der deutschen Energiepolitik. Das war der Tenor unter den Teilnehmern bei der Schleupen-Geschäftsführerkonferenz 2019 in Dresden.

Großes Thema war unter anderem die technische Umsetzung der Marktkommunikation 2020 (MaKo 2020). Die neue Lösung bringe den Kommunalversorgern sehr viel Aufwand und nur wenig Nutzen, kritisierte Beispielsweise Eberhard Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ettlingen. Die Vorgaben seien extrem gestiegen, aber viele Lösungen seinen nicht mitgedacht worden. Sein Haus gehört zu den 15 Energieversorgern, die deswegen gegen die Umsetzung der MaKo 2020 geklagt hatten. Die Beschwerde wurde allerdings im Eilverfahren im Oberlandesgericht Düsseldorf abgelehnt. Oehler möchte die Klage jetzt nicht weiterverfolgen, denn das Hauptverfahren dauert im Gegensatz zum Eilverfahren über Jahre – zu lang, um die MaKo 2020 noch zu stoppen.

Kommunalversorger wie Stadtwerke würden zudem bei EU-Fördergeldern privaten Unternehmen gegenüber benachteiligt. Als Bespiel wurden hier die Stadtwerke Konstanz genannt die einen entsprechenden Zuschlag für Fährbetrieb nicht erhalten hatten. Den kommunalen Unternehmen werde dabei die Anerkennung als kleine und mittlere Unternehmen verweigert, klagten die Teilnehmer.

Doch auch hausgemachte Probleme wurden angesprochen. So adressierte Sascha Schlichte, Geschäftsfu?hrer Drei Grad, das Thema Fachkräftemangel und sprach von seinen eigenen Erfahrungen, als er als junger Azubi bei einem Kommunalversorger anfing: "Ich habe die Flucht ergriffen, die Strukturen waren zu festgefahren". Es sei egal, ob es sich um Stadtwerke oder um Eon handle, die Attraktivität dieser Unternehmen sei seiner Meinung nach gering. Zudem seien Work-Life-Balance und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zwei wesentliche Grundlagen der Berufswahl. "Ermittlen Sie ihren tatsächlichen Unternehmenswerte und transportieren sie diese konsequent". Stadtwerke seien "local heroes" – "stärken Sie diesen Status konsequent", verdeutlicht Schlichte.

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