Widerstand gegen Ökostrom-Projekte der Stadtwerke München in Norwegen

Bürger-Verein „La Naturen Leve“ wendet sich mit einem Brief an die Stadtwerke München

Die Stadtwerke München haben ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2025 soll so viel Strom aus erneuerbaren Energien generiert werden, wie die gesamte Stadt verbraucht, also etwa sieben Milliarden Kilowattstunden. Dafür investiert das Unternehmen auch viel im Ausland und hat Ökostrom-Projekte in Frankreich, Spanien, Schweden - und auch Norwegen.

Dort regt sich nun verstärkt Kritik von Naturschützern an den Windkraft-Projekten der Stadtwerke München. Diese Anlagen sind aktuell ein großes Thema in Norwegen, am 1. April hat die Regierung dazu einen nationalen Rahmenplan vorgestellt, der ausweisen soll, welche Gebiete sich besonders für Windkraftanlagen eignen. Das gefällt in den entsprechenden Regionen nicht allen Anwohnern, und so schrieb der Bürger-Verein „La Naturen Leve“ einen Brief an den Investmentdirektor der Stadtwerke München, Christian Vogt, mit der Bitte, vom Bau der Windparks abzusehen.

Man solle lieber die Wasserkraft ausbauen, so die Forderung des Vereins. Die Windparks würden die Natur zerstören und dem Tourismus schaden, denn Reisende kämen gerade wegen der unberührten Landschaft. Für die Stadtwerke München kommt das zur Unzeit, denn Anfang des Jahres wurde eine besonders intensive „bayerisch-norwegische Zusammenarbeit“ angekündigt: Gemeinsam mit dem Unternehmen Trønderenergi sollen in der Region Trøndelag bis 2021 Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro realisiert werden. Die Behörden in Norwegen haben alle Projekte bereits genehmigt, La Naturen Leve und viele Norweger in den Sozialen Medien beschweren sich aber nun, hier nicht mit einbezogen worden zu sein.

Der Ton wird hier teils drastisch: Von einer „neuen braunen Besatzung“ ist mit Bezug auf den zweiten Weltkrieg die Rede und man fragt ob „Norwegen nun wieder in deutscher Hand“ sei. Die Bürgervereine berufen sich nun auch auf den Schutz der ethnischen Minderheit der Samen – die Windparks würden die traditionelle Lebensweise des indigenen Volkes zerstören. In zwei Gebieten habe man sich mit dem Volk aber bereits geeinigt, heißt es bei den Münchner Stadtwerken. Doch das wird teuer: In der Regel wollen die Samen in solchen Fällen Entschädigungszahlungen. Auch die Auflagen sind hoch. So hat der Bau der ersten Anlagen Anfang April begonnen, müssen ab dem 25. April aber wieder unterbrochen werden: Dann kalben die Rentiere.

 

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